Gelassenheit als Widerstand gegen normative Selbstverengung Religionspädagogische Perspektiven auf Identitätsbildung im digitalen Zeitalter
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Abstract
Die digitale Gegenwart konfrontiert Jugendliche mit normativen Sichtbarkeits- und Performanzanforderungen, die Prozesse der Selbst- und Identitätsbildung zunehmend unter Druck setzen. Optimierungsimperative sozialer Medien führen zu einer paradoxen Freiheitsstruktur, in der Subjekte sich selbst als Projekt verstehen und in der Folge psychische Überlastungen und normative Selbstverengungen erfahren. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag nach dem Potenzial von Gelassenheit als bildungstheoretischem und spirituellem Gegenkonzept. Gelassenheit wird als Widerstandshaltung rekonstruiert, die nicht Rückzug bedeutet, sondern eine Praxis der Anerkennung, Präsenz und Offenheit markiert. Theologische Anthropologien (Augustinus, Luther, Metz, Sölle) werden ebenso herangezogen wie kulturdiagnostische Analysen (Butler, Reckwitz), um Mechanismen digitaler Normativität kritisch zu beleuchten und religionspädagogisch zu transformieren. Ziel ist es, einen Resonanzraum zu entwerfen, in dem Subjektivität nicht an instrumentelle Logiken gebunden bleibt, sondern Würde, Zeitlichkeit und Hoffnung neu erfahrbar werden. Religionsunterricht erscheint dabei als privilegierter Ort, an dem Jugendliche nicht als zu optimierende Projekte, sondern in ihrer Pluralität und Fragilität als angenommene Subjekte wahrgenommen werden.
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