Vegetierst du noch oder blühst du schon? Resonanz und Sinnorientierung im Umgang mit einer ethisch privatisierten Welt
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Abstract
Der Beitrag diagnostiziert eine Orientierungskrise in spätmodernen Gesellschaften, die aufgrund von moralischer Pluralisierung und der damit einhergehenden Privatisierung des Guten zu einer gesteigerten Selektionslast führt, insbesondere für junge Menschen. Er stellt die alte Frage nach dem guten Leben unter aktualisierten Vorzeichen und greift dazu auf Konzepte wie Nietzsches Nihilismus, Rosas Resonanzbegriff, Frankls Logotherapie, Fromms Existenzweisen von Haben und Sein sowie Keyes Kontinuum von Vegetieren und Aufblühen zurück. Aus dieser Zusammenschau entsteht die These, dass ein Mangel an Ethos bzw. ein Überangebot an sich widersprechenden Werten zu Entfremdung, Ziellosigkeit und verminderter Lebensqualität führen. Orientierung im Hinblick auf ein gutes Leben, die psychologischen Bedürfnissen ebenso verpflichtet ist wie einer friedlichen Koexistenz pluraler Lebensentwürfe, kann dagegen an gelingenden Weltbeziehungen festgemacht werden. Deren Qualität entscheidet sich am Ausmaß von Resonanzerfahrung und dem ihnen innewohnenden Sinnpotenzial. Der Beitrag plädiert daher für Resonanz- und Sinnorientierung als normative, vermittelbare Selektionsmuster, indem Institutionen in Bereichen wie Bildung, Arbeit oder Gesundheit vermehrt probe-identifikatorische Resonanzräume bereitstellen. Dadurch wird Selbstentfaltung von einer individuellen Luxuserscheinung zur öffentlichen Verantwortung aufgewertet und dysfunktionalen Lebensentwürfen wie Radikalisierung, Konsumfixierung oder Ressourcen-Fetischisierung womöglich schon früh die Grundlage entzogen.
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